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Im Prinzip erstmal nichts, würde man sagen. Dennoch haben wir uns ja in Zeiten der medialen Dauerbeschallung schon daran gewöhnt, dass Sportler nicht einfach irgendwas essen und trinken, sondern durchaus ausgewählte Nahrungsmittel auf ihren Speisenplan lassen. In der Regel werden also Sportereignisse von Coca Cola und McDonald's präsentiert, eine Kombination, die dem erfahrenen Sportsmann natürlich geläufig ist. Ebenso wie Nutella morgens zum Frühstück, na klar. Nun hat sich allerdings durchaus eine neue sportphysiologische Perspektive ergeben, denn die russisch-angehauchte Wodka-Marke Moskovskaya hat in ihrer aktuelle Print-Kampagne ihren Sportsgeist endeckt - und das mag auf den ersten Blick verblüffen, aber halt nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten wird man sich vielleicht erinnern, dass gerade die Russen bei der letzten EM furiose Spiele abgeliefert haben - und dann auch ziemlich verkatert im Halbfinale gegen Spanien ausgeschieden sind. Eben jene Spanier, gegen die unsere Bitburger-trinkenden und Nutella-essenden Nationalkicker keine (Milch-) Schnitte (haha!) machen konnten. Was nun wiederum die Frage offen lässt, was die Spanier eigentlich gegessen haben könnten...
Die Preise steigen. Seit Monaten. Milchprodukte. Backwaren. Obst und Gemüse. Und überhaupt. In der Krise stecken dadurch nicht nur die Verbraucher - bei denen hat die Angst vor der Wirtschaftskrise jetzt bereits die Angst vor dem Terror abgelöst, nein auch den Herstellern gehts an den Kragen. Wer hochwertig produziert, der muss dieser Tage noch mehr zahlen, als das ohne immer schon der Fall war, und wer mehr zahlen muss, der muss zwangsläufig auch die Preise erhöhen. In Zeiten in denen alles immer teurer zu werden scheint, entscheiden sich Verbraucher allerdings häufiger für das etwas günstigere Produkt, manchmal zu Lasten der Qualität, häufig jedoch einfach nur zu Lasten des "guten Namens".
Diese Sparmaßnahmen führen bei amerikanischen Herstellern jetzt zu ersten Reaktionen. Günstigere Alternativen müssen her. Am Anfang stand der Umstieg auf günstigere Transport- und Verpackungsmethoden, doch damit kann nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Kosten eingespart werden. Aus Reihen der Vorlieferanten ist dieser Tage zu erfahren, dass Herstellerfirmen sich jetzt immer häufiger über günstigere Alternativen zu den herkömmlichen Zutaten informieren. Die Hershey Company hat beispielsweise bei einigen ihrer Schokoladen die traditionell verwendete Kakaobutter durch Pflanzenöle ersetzt. In Keksen werden teure Pekannüsse häufiger durch die deutlich günstigeren Walnüsse ersetzt. Gewürze sind ebenfalls Zutaten, bei denen sich hochwertige Produkte leicht gegen weniger hochwertige austauschen lassen. Geschmackliche Veränderungen werden schlichtweg mit Aromen ausgeglichen.
Während die Hersteller sich zu diesen Themen verständlicherweise kaum äußern, kennen die Vorlieferanten hier weniger Hemmungen, sie verstehen sich als Berater. Zeigen Produktalternativen auf und preisen die Vorzüge der Aromatechnologie. Herstellerseitig wird mit einem zu erwartenden Gesundheitsplus geworben, beispielsweise aufgrund einer Verringerung des Zuckeranteils oder den Einsatz von ballastoffreicher Kleie. Ziel ist es, durch die Erhöhung der rein pflanzlichen und dadurch augenscheinlich gesünderen Fette in einem Produkt über den Austausch von zum Beispiel teurer Butter gegen billiges Pflanzenöl mit künstlichem Buttergeschmack hinwegzutäuschen.
Dabei sind sich Vorlieferanten und Hersteller selbstverständlich darüber einig, dass weder Qualität noch Geschmack der Produkte beeinträchtigt werden. Mag sein, mich persönlich stört jedoch der Gedanke, dass Reiskleie, ein Nebenprodukt der Reisproduktion, die jahrelang lediglich für Tiernahrung verwendet wurde, jetzt plötzlich zur Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt wird.
Alles in allem kommen wir der Astronautennahrung der Science-Fiction-Filme der 80er immer näher. Mit einem wesentlichen Unterschied: Ein Schnitzelgericht sieht immer noch aus wie ein Schnitzelgericht, keine Pille, Paste oder gar Meatwater. Doch das Aussehen, ist häufig nicht mehr als der gewohnte "Look".
Überigens: Um auf die Eingangs erwähnten Preissteigerungen zurück zu kommen. Sie mögen ursprünglich tatsächlich der Grund dafür gewesen sein, dass Hersteller nach günstigen Rohstoffalternativen geschaut haben um das Preisniveau einigermaßen stabil halten zu können, im Ergebnis kristallisiert sich jedoch heraus, das man hier schlichtweg einen weiteren Weg gefunden hat eine bessere Marge zu machen: Das US-Landwirtschaftsministerium prognostizierte für 2008 den stärksten Preisanstieg für Lebensmittel seit 20 Jahren, denn die Unternehmen erhöhen die Preise trotz teilweise günstigerer Inhaltsstoffe und optimierter Produktionsabläufe weiter.
Mittels eines Nährwertkompasses stellt jetzt die Industrie den Verbrauchern eine Orientierungshilfe zur Verfügung. Auf Basis von "Ausgezeichnet informiert - Die Initiative für bewusste Ernährung" stellen die angeschlossenen Unternehmen: Campbell´s, Coca-Cola, Danone, Kellogg, Kraft Foods, Mars Süßwaren, Metro Group, Nestlé, Pepsico und Unilever auf den Seiten von Nährwertkompass.de rudimentäre Informationen rund um ausgewogene Ernährung und die Nutzung der GDA Kennzeichnung zur Verfügung.
Auch hier wie in Brüssel ist keine Annäherung zwischen Verbraucherzentralen und Industrie zu erkennen. Während die einen mittels Nährwertkompass auf Aufklärung hinsichtlich der Angaben auf den Lebensmittelverpackungen setzen, betreiben die anderen seit einiger Zeit Ampelcheck.de, und fordern "Schluss mit den Nährwertmogeleien".
So langsam kommt der Punkt, wo ich mir wünschen würde, man begänne miteinander statt immer nur gegeneinander zu reden. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend. Wir bleiben dran.
Fünf Portionen Obst oder Gemüse soll man am Tag zu sich nehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Eine Portion entspricht dabei in etwa dem, was man in eine Hand bekommt, so dass man vom Kleinkind bis zum Erwachsenen ein gutes Maß zu Orientierung hat.
Laut DGE kann man hin und wieder durchaus auch einmal eine Portion durch ein Glas Saft ersetzen. Was liegt da näher, als sich am Smoothie-Sortiment in der Supermarkt-Kühltheke zu bedienen. Große Sortenvielfalt und exotischere Mischungen als man sich selbst zusammenstellen würde. Und nicht nur im Supermarkt, sondern auch bei Kaffeeketten, Burger-Ketten und eigens dafür aus dem Boden schießenden Saftbars bekommt man die vermeintlich süßen Köstlichkeiten angeboten. Smoothies sind im wahrsten Sinne des Wortes - in aller Munde!
Doch was ist dran am Smoothie, oder vielmehr, was ist eigentlich drin? Und sind sie wirklich so gesund? Die Stiftung Warentest hat jetzt einmal genauer hingeschaut und 27 Smoothies auf Herz und Nieren geprüft. Dabei wurden neben Discounter Produkten von Aldi, Lidl, Penny und Plus auch Bioprodukte von Alnatura, Rabenhorst und Völkel getestet. Und natürlich die Klassiker: True Fruits und Innocent.
Die Zusammensetzung variiert. Unter den Zutaten findet sich Fruchtmark, Saftkonzentrat und Gemüsepürree. Bessere Smoothies lassen sich unter anderem daran erkennen, dass ihnen kein Zucker hinzugefügt wurde. Süß und kalorienreich sind sie jedoch ohnehin fast alle, das liegt am hohen Fruchtzuckergehalt. Als Beispiel nennt Stiftung Warentest die 100ml Fläschchen Knorr Vie, bei denen je nach Sorte 65 bis 85 kcal enthalten sind. Mehr als bei der gleichen Menge Cola. Also nicht wirklich ein Getränk sondern eher schon ein Snack.
Die Ergebnisse insgesamt sind mäßig. Generell stellt Stiftung Warentest fest, das egal, was vorne auf der Flasche drauf steht, die Zutatenlisten in der Regel von Äpfeln und Bananen angeführt werden. Rossmanns enerBIO gibt es beispielsweise als "Kokos-Ananas-Banane", drin ist zu 57% Apfel und nur 1% Kokosmilch. Hinzu kommt, dass Obst und Gemüse für die Herstellung in der Regel ohne Schale und Kerne in die Verarbeitung kommen. Das hat zur Folge, dass wichtige sekundäre Pflanzen- und Ballaststoffe verloren gehen, was wiederum bedeutet, das der Magen weniger zu tun hat. Man hat also die Kalorien der gleichen Menge Obst, aber nicht den gleichen Sättigungsgrad. Der Hunger kehrt schneller zurück. Ein weiterer Mangel der durch die Verarbeitung entsteht ist der, dass für die Gesundheit wichtige Aromastoffe sich verflüchtigen.
In Kürze: Immerhin bei zwölf von 27 Smoothies sind Früchte hervorgehoben, die nicht den den überwiegenden Anteil am Produkt ausmachen. Der Vitamin C-Gehalt ist geringer als erwartet, bei sieben Produkten ist das Vitamin kaum oder gar nicht nachweisbar gewesen. Zwei Smoothies wurde mit Aromastoffen angereichert. Alle enthalten zu wenig Ballaststoffe. Die Empfehlung liegt hier bei etwa 30 g am Tag für einen Erwachsenen, 100 ml Smoothie hatten selten mehr als 1 g. Positiv hervorgehoben wurde lediglich, dass die Smoothies im Test nicht nachgezuckert waren.
Generell, so Stiftung Warentest
, ist ein guter Smoothie, immer noch besser als gar kein Obst. Man sollte jedoch unbedingt darauf achten, dass der Drink neben purer Frucht oder Fruchtmark keine weiteren Zutaten (wie Konservierungs- oder Farbstoffe) und keinen Zuckerzusatz enthält. Als echte Alternative zu frischem Obst sind sie jedoch einfach zu kalorienreich und zu wenig gesundheitsfördernd. Gemüse können die im Handel erhältlichen Smoothies übrigens überhaupt nicht ersetzen, denn das kommt, was auch immer draufsteht, so gut wie nicht darin vor.
Also: An Apple a day, keeps the doctor away! (Ein Apfel pro Tag hält den Arzt fern.)
Den Test mit allen Ergebnissen gibts direkt bei Stiftung Warentest: Kein Ersatz für frisches Obst.
Der Smoothie kommt im übrigen aus Amerika und geht auf den englischen Begriff "smooth" zurück, was soviel bedeutet wie weich, sanft und steht für das Mundgefühl, das Obst und Gemüse haben, wenn sie in einem Mixer zerkleinert wurden. Besonders sämig sind die original amerikanischen Smoothies übrigens auch, weil dem Urrezept nach beim zerkleinern noch zerstossenes Eis in den Mixer gegeben wird.
Die WELT berichtet, dass der Tagessatz für Gefängniskost in Hamburg von 2,86 auf 3,10 Euro gesteigert wurde. Laut Justizbehörde soll dies für eine gesunde Ernährung ausreichend sein. Die Rechtsexpertin der Links-Fraktion moniert hingegen, dass gerade für Gefangene mit längeren Haftstrafen, die viele Jahre auf Gefängniskost angewiesen sind, Mangelernährung vorprogrammiert sei, schließlich liege der Satz noch weit unter dem von Harz IV-Empfängern. Ihren Berechnungen zufolge liegt der heutige Satz, wenn man die Preisentwicklung der Lebensmittel berücksichtigt, unter den vor zehn Jahren veranschlagten 5,80 Euro. Neben dem Sprecher der Justizbehörde ist auch CDU-Rechtsexpertin, Viviane Spethmann, davon überzeugt, dass die finanziellen Mittel für eine ausgewogene Ernährung ausreichend sind.
Mögen Politiker und „Rechtsexpertinnen“ sich über die Angemessenheit der Kosten für die Ernährung streiten. Ich hingegen frage mich, ob die Speisepläne vor Ort einmal von einer Diätassistentin/einem Diätassistenten oder einer Ernährungswissenschaftlerin/einem Ernährungswissenschaftler daraufhin überprüft wurden, ob die Insassen durch die Gefängniskost ausreichend mit allen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden? Selbst wenn jedem Gefangenen 10 Euro als Tagessatz beigemessen würden, hieße das doch nicht zwangsläufig, dass die Ernährung dadurch ausgewogener würde?!
Seit 2007 wird vom AID ein sog. Ernährungsführerschein für Kinder angeboten. So sollen bereits Grundschulkinder an eine ausgewogene Ernährung herangeführt werden und Spaß am Umgang Lebensmitteln bekommen. In einer Studie (wir berichteten) wurde schon gezeigt, dass aufgeklärte Grundschüler weniger Probleme mit ihrem Gewicht haben. Der Ernährungsführerschein, der bereits die Kleinen über gesunde Ernährung aufklärt, ist also eine runde Sache.
Diesen Trend hat man auch beim größten Lebensmittelkonzern der Welt - Nestlé - erkannt. In einem Interview mit dem Focus gab der Vorstandsvorsitzende der Nestlé Deutschland AG bekannt, dass sein Unternehmen in Ernährungskursen Grundschülern die Grundlagen für gesunde Ernährung vermitteln will.
Davon ist man beim AID natürlich nicht begeistert: „Die originäre Idee dieser in Europa einmaligen Initiative stammt ausschließlich aus unserem Hause und wurde innerhalb eines Jahres von einem interdisziplinären wissenschaftlichen Expertenteam entwickelt, in umfangreichen Praxistests erprobt und mit außerordentlichem Engagement in die Schulen getragen“, so Dr. Margret Büning-Fesel, geschäftsführender Vorstand.
Seit mehr als 50 Jahren arbeitet der AID-Infodienst Informationen aus Wissenschaft und Praxis verständlich auf. Er wird mit öffentlichen Mitteln gefördert und kann das Wissen um eine gesunde Lebensweise frei von kommerziellen Interessen oder Werbung vermitteln. Bleibt die Frage, ob das bei einem Ernährungsführerschein von Nestlé auch der Fall sein wird
?
Der von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) organisierte Unternehmertag Lebensmittel lockte am Dienstag rund 600 Unternehmer aus Lebensmittelindustrie, Einzelhandel und Vertrieb nach Köln.
Neben der Frage, ob der Klimawandel wirklich eine Zeitenwende herbei führt und wie das Thema von der Finanzmarktkrise beeinflusst wird, erörterten hochkarätige Experten aus Politik, Forschung und Wirtschaft, welche Strategien für die Unternehmer im Lebensmittelbereich zur Zeit lohnenswert sind.
Jürgen Abraham, BVE-Vorsitzender, eröffnete die Veranstaltung. Er hat keinen Zweifel daran, dass das Klima sich ändert und gab zu bedenken, dass die Verantwortung dafür alle Glieder der gesamten Wertschöpfungskette, vom Landwirt über die verarbeitende Industrie bis zum Verbraucher, übernehmen müssten. Abraham wies darauf hin, dass besonders der Lebensmittelbranche eine intakte Umwelt wichtig ist, da nur so qualitativ hochwertige Lebensmittel denkbar sind.
Josef Sanktjohanser, Präsident des HDE, machte in seinem anschließenden Vortrag deutlich, dass auch der Handel bereit ist, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen. Nicht zuletzt, weil sich Ökonomie und Ökologie oftmals nicht ausschließen und insbesondere bei Strom-, Wärme- und Kältebedarf erhebliche Einsparpotentiale vorhanden sind. Außerdem, so Sanktjohanser, erfüllt man so den steigenden Wunsch der Kunden nach Nachhaltigkeit. Er sprach sich hierbei für eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Nutzung von Energieeinsparpotentialen aus. Eine gesetzliche Regelung lehnte er entschieden ab. Problematisch sieht der Präsident eine Einführung einer CO2-Footprint-Kennzeichnung, da die Erhebung der Daten dazu oftmals nicht transparent und nicht wissenschaftlich fundiert ist.
Sigmar Gabriel, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, forderte in seiner Rede mit dem Titel „New Deal für Arbeit, Umwelt, Innovation – dem Fortschritt eine Richtung geben“ die Unternehmen dazu auf, ihre Strategien langfristig auszurichten. Er erläuterte an Hand von Beispielen, wie der Überfischung der Weltmeere, zu welchen langfristigen Problemen das Streben nach kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteilen führen kann. Aus seiner Sicht liegt das Potential des Wirtschaftswachstums- und Klimaschutzes vor allem in einer gesteigerten Effizienz.
Interessant hierzu ist ein Beispiel aus Japan: Dort gibt es einen Effizienz-Wettlauf der Unternehmen: das energieeffizienteste Produkt gibt den Standard der Produktkategorie vor. Dieser Standard muss innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums von allen Folgeprodukten erreicht oder ggf. übertroffen werden, andernfalls werden die Produkte vom Markt genommen. Sobald ein Unternehmen ein neues, effizienteres, Produkt entwickelt hat, steigt der Standard und das Spielchen beginnt von neuem.
In einer anschließenden Talk-Runde diskutierten Dr. Herbert Aichinger, Berater der Europäischen Kommission in der Generaldirektion Umwelt, Marion Sollbach, Abteilungsleiterin Nachhaltigkeit und Umwelt der Metro AG, Ingo Speich, Nachhaltigkeits-Fondsmanager und Dr. Claus Conzelmann, Direktor für Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt der Nestlé S.A über das Prinzip Nachhaltigkeit. Darin, dass Nachhaltigkeit ein erstrebenswertes Ziel der Unternehmen sein muss, waren sich die Experten einig. Dr. Aichinger konnte sich im Fazit nicht für eine allgemein Nachhaltigkeitsformel aussprechen. Frau Sollbach sieht in der Nachhaltigkeit drei Dimensionen: Ökologie, Soziales und Ökonomie, die stärker miteinander verzahnt werden sollten. Herr Speich sieht als Vorteile der Nachhaltigkeit vor allem langfristige Kostenkontrolle und Risikokontrolle und Dr. Conzelmann fordert weltweit einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu institutionalisieren.
Nach dem Brunch referierte Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potstdam-Institut für Klimafolgenforschung zum Thema „Ist das Weltklima noch zu retten? Vom Kopenhagenprotokoll bis zum Kohlenstofflabel“. Schellnhuber ist Ansprechpartner von Frau Dr. Merkel in Klimafragen und zeigte in einem eindrucksvollen Vortrag die möglichen Folgen des Klimawandels.
Bisher hat sich die Temperatur auf dem Planeten um 0,8°C erhöht, ein Plus von 2,4°C sieht Schellnhuber bereits im System veranlagt. Durch eine spezielle Form der Luftverschmutzung, nämlich bestimmte Partikel in der Luft, welche die Sonneneinstrahlung reflektieren und somit eine weitere Erwärmung abdämpfen, wird dies allerdings bislang noch maskiert.
Wer sich bereits mit diesem Thema beschäftigt hat, dem dürfte nicht neu sein, dass der Grönland-Eisschild als Achilles-Sehne des Planeten betrachtet wird, und sich dieses Eis bei einem Temperaturanstieg von 2°C destabilisieren könnte und somit das komplette Weltklima ändert. Die „Lunge der Erde“, der Amazonasregenwald könnte nicht weiter bestehen, wenn sich durch einen Temperaturanstieg die Regengebiete verschöben. Außerdem könnten die asiatischen Flüsse, von deren Wasser das Leben von 2 Milliarden Menschen abhängt, trocken fallen. Schellnhuber belegte, dass die Zielsetzung der EU nicht vor Umweltschäden bewahrt. Global müssten bis 2050 die Treibhausgasemissionen um 80% reduziert werden, Industrieländer müssten sogar 95% der Emissionen einsparen. Dazu muss die Nutzung von fossiler Energie reduziert werden und mittels ausgeklügelter Technologien CO2 abgefangen, gepresst und z.B. in leeren Kohleflözen untergebracht werden. 17% des Weltenergiebedarfs könnte man allein durch Aufforstung von degradierten Flächen gewinnen.
Weiterhin befürwortet Schellnhuber eine „blaue Revolution“ aus: durch nachhaltig betriebene Aquakultur könnte 80% des Weltproteinbedarfs gedeckt werden und so die landwirtschaftliche Nutzfläche zum Anbau von Lebensmitteln für den Menschen (und nicht als Futter für Landtiere) genutzt werden. Eindringlich wies er darauf hin, dass man unter Nachhaltigkeit nicht verstehen dürfte, dass man nur das abschöpft, was nachwächst. Kabeljaubestände, die in dieser „nachhaltigen“ Form befischt wurden, sind zusammen gebrochen. Es besteht schnellstens Handlungsbedarf. Damit Verbraucher sich mit ihrer Kaufentscheidung für nachhaltige Produkte aussprechen können, fordert er ein einheitliches Label, mit dem man Qualität, Kosten und Umweltverbrauch erkennen kann. Neben der Änderung des persönlichen Kauf- und Konsumverhaltens müssen auch Investitionen in Gebäude- und Infrastruktur, die einen Hauptteil der Emissionen verursachen getätigt werden.
Anschließend diskutierte der Professor in einer weiteren Talkrunde mit Dr. Klaus P. Stadler, Director Environmental & Water Resources Coca Cola Europe und Director Commercialization & Stewardship Coca-Cola Deutschland, Roland Stroese, Vorstand Intersoh AG und Eberhard Brandes, Geschäftsführer WWF Deutschland über mögliche Lösungen für das Klima, wobei die Unternehmensausrichtungen der Teilnehmer im Vordergrund standen.
In einem „Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik“ stellte Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Werner Sinn, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) 6 Thesen zum „grünen Paradoxon“ vor und stellte damit die bisherige Klimapolitik in Frage.
These 1: „Die Vermeidungskosten in Deutschland sind zu hoch.“ So müssen z.B. für eine eingesparte Tonne CO2 durch Photovoltaik-Anlagen 4000€ investiert werden. Das Investitionsvolumen bis 2015 beläuft sich auf 125 Mrd. Euro, leistet aber nur einen Beitrag von 5 Promille zur Stromversorgung und ist somit nicht rentabel.
These 2: „Förderung des grünen Storms ist wegen des Zertifikatehandels wirkungslos.“ Hintergrund: In der EU gibt es eine Begrenzung des CO2-Ausstoßes durch Zertifikate, die gehandelt werden können. Der CO2-Ausstoß, der in Deutschland durch Förderung der grünen Technologie „gespart“ wird, findet dann nicht mehr hier, sondern in anderen Ländern, die deutsche Zertifikate kaufen können, statt.
These 3: „Förderung des grünen Stroms hilft nicht für Kyoto-Bilanz.“ Das CO2, das von anderen Ländern ausgestoßen wird, die Deutschlands Zertifikate gekauft haben, wird der Deutschen CO2-Bilanz zugerechnet. Die verkauften Zertifikate zählen also wie ein Eigenverbrauch.
These 4: „Gegen Nahrungsmittelkonkurrenz kann Biosprit nicht bestehen.“ Um 20% des Verkehrs mit Biotreibstoffen auszustatten, wäre die gesamte Agrar-Fläche der Erde nötig, bereits 2008 wurde in 37 Ländern wegen Ernährungsproblemen protestiert. Die weiteren Folgen, die mit einem erhöhten Einsatz von Biokraftstoffen einhergehen, kann sich jeder selbst ausmahlen. Weiterer Nachteil: Bioethanol ist, wegen des die Atmosphäre stärker als CO2 schädigenden Lachgases, 50% schädlicher als fossiles Benzin, Biodiesel ist sogar 70% schädlicher.
These 5 und 6: „Wenn grüne Politik immer grüner wird, kommen Ölbesitzer dem mit beschleunigter Extraktion zuvor“ und „Eine Teilgruppe kann dies nicht aufhalten.“ Problematisch hierbei sieht Sinn, dass die Maßnahmen der Politik alle auf eine Reduktion der Nachfrage abzielen. Das Angebot wird allerdings von den Erdöl exportierenden Ländern bestimmt. Sinn wörtlich: „Das Öl wird verbrannt werden, irgendwo auf der Welt.“
Um dem entgegen zu wirken forderte der Wirtschaftswissenschaftler, dass alle Länder dem Kyoto-Protokoll beitreten müssen, um so eine Mengensteuerung der Ölfördermengen und dem damit verbundenen CO2-Ausstoß vornehmen zu können. Ein Zertifikatesystem würde Sinn machen, wenn auch Länder wir die USA, Indien oder China dies unterschreiben und einhalten. Eine weitere Idee ist, Grundsteuern auf die Finanzanlagen der Ölscheichs in den westlichen Ländern zu erheben. Außerdem spricht sich auch Sinn für eine CO2-Sequestrierung und Aufforstungsprogramme aus.
In seinem Schlusswort forderte Dr. Dietmar Kendziur, Stellv. BVE-Vorsitzender und Geschäftsführer der Ferrero Deutschland GmbH, die Unternehmer dazu auf, die Ökonomie des Unternehmens im Auge zu behalten, ohne die Ökologie aus den Augen zu verlieren.
Mein persönlicher Eindruck dieser Veranstaltung:
Die Vertreter von Industrie und Handel sind ernsthaft bereit, sich für den Klimaschutz zu engagieren, sofern die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens nicht darunter leidet. In aktuellen Veröffentlichungen der beiden Verbände, die an diesem Tag ausgegeben wurden, sind einige Beispiele von bereits ergriffenen Maßnahmen der Firmen aufgeführt. So wird Mars Deutschland bis 2010 das Aufkommen seiner Verkaufsverpackungen um 10% reduzieren und den Anteil von recyceltem Papier von bisher 65% auf 80% steigern.
Besorgniserregend scheint mir, dass ein herausragender Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet des Klimawandels mit ernsthaften Sorgen in die Zukunft blickt.
Der Vortrag von Prof. Sinn war sehr provokant und überzeugend. Eine Talkrunde im Anschluss, in der Experten von der „Gegenseite“ die Thesen auch von einer anderen Seite betrachten, hätte vielleicht nicht geschadet
.
Und – last but not least – wäre es bei dem großen Konsens über die Vorteile der Nachhaltigkeit wünschenswert gewesen, wenn auch die Pausenverpflegung daran orientiert gewesen wäre. Aber vielleicht ist das auch ein bisschen zu viel verlangt
.
Wer sich diese Frage schon oft gestellt hat, kann sich hier Tipps und Empfehlungen eines Wasser-Sommeliers ansehen. Empfohlen werden fünf hochpreisige Edel-Wässerchen. Obendrauf gibt’s noch eine kleine Wasserkunde. Haben Sie zum Beispiel schon gewusst, dass man Wasser mit einer Temperatur von ca. 12°C servieren sollte da sich so seine Eigenheiten am besten zeigen?
Meine Empfehlung zu Fleisch, Fisch oder Gemüse: Bestes Bonner Rheinuferfiltrat mit einem Schuss H2O aus der Wahnbachtalsperre! Kostet auch nur schlappe 1.50 € pro Kubikmeter. Gerne lade ich auch zur Degustation an meiner Spüle ein.
Wir wissen natürlich auch, dass es immer noch besser ist einen Apfel zu essen, als püriertes Obst aus Flaschen zu trinken. Aber mal ehrlich, so ein Smoothie ist mitunter doch einfach wesentlich leckerer als ein Apfel, meint Ihr nicht?
Da wir das meinen und immer gern mal ausprobieren, was es so
Neues auf dem Markt gibt, haben wir uns jetzt mal der Smoothies aus der
Berliner Fruchtmixerei Proviant vorgenommen und sind sehr positiv überrascht
worden.
Nachdem unser letztsommriger Smoothietest, bei dem wir die gängigen Supermarktprodukte probiert haben, eher durchwachsen ausgefallen ist, waren manche Kollegen nur verhalten begeistert, als beim Grillen statt des erhofften Kölschs erst einmal eisgekühlte Smoothies serviert wurden. Die Zurückhaltung wurde jedoch schnell aufgehoben, nachdem die ersten Schlucke durch sonnentrockne Kehlen stürzten.
Insgesamt positiv aufgenommen wurde, dass die Smoothies zwar sehr intensiv fruchtig (nicht künstlich, sehr natürlich) schmeckten, sie aber nicht zu dickflüssig oder gar brockig waren. Die Konsistenz ist sehr angenehm und erfrischend. Der Fruchtgehalt in jeder Hinsicht 100% und vor allem sind die Mischungen so angelegt, dass die einzelnen Sorten nicht zu süß sind.
Mein persönliches Highlight ist das „Kraftpaket“ eine Mischung aus Orangen, Äpfeln, Banane, Zitrone, Ingwer und Macawurzel. Der Ingwer gibt dem Fruchtpaket eine würzige Note mit angenehmer Schärfe und weicht daher angenehm von den „Smoothie-Standards“ ab.
Everybodies Darling war die Mischung aus Himbeeren,
Brombeeren, Orange, Apfel und Banane, die sogenannte Kreuzbeere. Frisch,
Fruchtig, leicht säuerlich und garantiert nicht nur als Fruchtbombe sondern
auch auf Crushed Ice mit ein paar leckeren alkoholischen Zutaten ein echter
Gewinn! Und einen Cocktail in Ehren,...
Echte Geschmackssache ist unserer Meinung nach der Biotreibstoff mit Karotte, Grapefruit und Guarana. Ungewöhnlich im Geschmack, bietet der kleine Wachmacher reichlich Vitamine und einen gehörigen Guaranakick. Allerdings muss man die leicht bittere Note des Guaranas mögen. Das ging uns nicht allen so, aber ein paar Fans gibt’s doch!
Was bleibt? Zwei Klassiker Mango Maracuja und Erdbeer Banane, bei beiden ist positiv hervorzuheben, dass die geschmacksgebende
Frucht nicht nur einen
kleinen Prozentsatz am Gesamtfruchtanteil ausmacht, sondern mehr als ein
Drittel. Das zeigt sich eindeutig am Geschmack. Erdbeere hat beispielsweise
nicht nur eine zarte Erdbeernote sondern einen ausgeprägt fruchtigen
Erdbeergeschmack und konnte damit mehr als überzeugen. Mango Maracuja stand dem
in nichts nach.
Wer jetzt in den Laden stürzen und Proviant Smoothies kaufen will, dem sei gesagt, dass das außerhalb von Berlin aktuell nur über Proviant direkt geht. Aber wir haben uns sagen lassen, dass man an einem deutschlandweiten Vertrieb arbeitet. Bestellen lohnt sich dennoch, die Smoothies kommen gekühlt und halten sich im Kühlschrank etwa drei Wochen. Sie werden frisch zubereitet, sind Bio und werden ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern, Konservierungsstoffen oder Zucker (außer natürlich dem in den Früchten enthaltenen Fruchtzucker) hergestellt. Wir können Euch nur den gemischten Karton ans Herz legen, aber probiert selbst.
Im Rheinland ist es mal wieder soweit die 5. Jahreszeit, für die einen die schönste, für andere wiederum die schlimmste, ist im vollen Gange. Dumm nur wer jetzt noch kein Kostüm hat. Da ist Kreativität gefragt! Wem zusammengeraffte Kleidungsfehltritte der letzten 3 Dekaden aus dem eigenen Kleiderschrank (für die jüngere Generation auch gerne der von Mutti und Vati) zu „Mainstream“ sind, für den gibt es hier den ultimativen Basteltipp... Jean Pütz hätte seine helle Freude daran... Einfach mal ein Paar Scheiben Wurst oder Rinderfilet auf Opas alten Hut getackert, eine Siedewurstkette um den Hals und schon hat man ein einzigartiges Kostüm und sticht garantiert aus der Masse! Flirtfaktor 100.000 würd ich mal sagen! Das ganze kann man sich dann bequem zum Katerfrühstück in die Pfanne legen, weil schlecht wird es ja bei den Temperaturen dieser Session bestimmt nicht!
Fotos: www.hatsofmeat.com
Über keine Ampel wurde so heftig und ausführlich diskutiert wie über Ampeldarstellung im Rahmen der Nährwertkennzeichnung und selbst über die erste Abstimmung, die nun in Brüssel erfolgt ist, gibt es unterschiedlichste Meinungen - mich erinnert es fast an die "Elefantenrunden" - denn es gibt nur Gewinner. Das mag natürlich an den unterschiedlichen Sichtweisen liegen und schließlich ist ja tatsächlich auch das letzte Wort noch nicht gesprochen. Sicher ist, dass eine verpflichtende Big8-Nährwertkennzeichnung kommen wird - und das ist auch gut so.
Natürlich gabs auch jede Menge Studien und Verbraucherbefragungen, die wiederum auch natürlich zu den entsprechenden Ergebnissen geführt haben. Und offen gesagt hat mich der gewohnt mechanische Ablauf der Debatte doch eher gelangweilt. Die einen haben gerufen, dass die Nährwertampel ein Segen für den Verbraucher wäre und die anderen haben argumentiert, dass die Ampel "Teufelswerk" wäre. Was sich aber in den Jahren keiner gefragt hat, ist die Frage, warum wir als Gesellschaft überhaupt so weit gekommen sind, dass wir eine solche Kennzeichnung brauchen könnten? Richtig, die Industrie und der Handel, die ja mittlerweile jede Menge Eigenmarken in den Regalen haben, haben sich in Sachen Transparenz doch sehr zurückgehalten, auch wenn sicher im letzten Jahrzehnt auch hier eine Entwicklung stattgefunden hat, was allerdings bei manchen immer noch nicht angekommen ist. Und ja, es gibt immer mehr Produkte mit immer mehr Produktversprechen, insofern ist das Angebot immer größer geworden und durch den zunehmenden Überfluss verlieren die Konsumenten zunehmend auch den Überblick.
Und damit sind wir auch schon bei den wichtigsten Akteuren, den Konsumenten. Diese "leiden" unter dem Überfluss, oder anders formuliert haben die Qual der Wahl, was die Auswahl der zu kaufenden Lebensmittel angeht. In Deutschland verkürzen die Verbraucher sich diese Qualen dadurch, dass sie gerne das billigste Produkt kaufen und das dann auch meist beim Discounter. Dass beim deutschen Verbraucher der Geiz regiert, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, es fehlt schlicht und ergreifend das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln. Für Autos haben wir dies, für Lebensmittel leider nicht.
Was dies mit der Ampel zu tun hat? Ganz einfach: Wenn wir Verbraucher wieder mehr Bezug zu unserer Nahrung hätten, dann bräuchten wir keine Lebensmittelampel - im Prinzip sogar gar keine Kennzeichnung. Jahrhundertelang gabs ja auch keine Kennzeichnung, damals war das Produktangebot allerdings auch noch sehr übersichtlich, Hungersnöte kamen auch schon mal dazwischen und Bewegung hatte man gezwungermaßen reichlich. Um nicht falsch verstanden zu werden: Eine Kennzeichung, wie sie nun mit der Big8 auf den Weg gebracht wird, ist schon lange überfällig. Ich würde heute schon sagen, dass man Produkte, die diese nicht haben, einfach nicht kaufen sollte, dann wäre sie schnellstens auch auf allen drauf.
Es geht also um das verloren gegangene Wissen, was gut für meinen Körper und meine Umwelt ist, es geht um Kompetenz. Viele - gerade auch Kinder - wissen nichts mehr über Lebensmittel, haben noch nie gekocht und können sich nicht vorstellen, wie eine Pizza gebacken wird, die nicht aus dem Tiefkühlregal direkt in den Ofen kommt. Von der Produktion des Mehls einmal ganz zu schweigen... Nun wird der ein oder andere sagen: Gut, was nützt es mir, wenn ich mehr weiss, dann muss ich mir trotzdem jedes Produkt anschauen und dafür fehlt mir die Zeit. Dann würde ich sagen: dann nimm sie dir, denn es gibt wenige Themen, die wichtiger sind für dich als deine Ernährung. Beim Einkauf gibts ne einfache Regel, wer die befolgt, kann schon nicht mehr viel falsch machen: Was man nicht versteht, sollte man nicht kaufen. Das galt schon für Finanzderivate und für Lebensmittel erst recht.
Und wenn wir schon beim Thema Kompetenz sind, dann wäre es auch angebracht, den Kindern wieder zu vermitteln, dass man nicht alles glauben muss, was der "Werbeonkel" so erzählt. Eine gesunde Skepsis ist einfach angebracht, große sogar Skepsis bei großen Versprechen wie langes Leben, ewige Jugend, Reichtum uswusf. Werbung wirbt für ein Produkt und stellt die positiven Seiten nach vorne, Menschen, die sich auf eine Arbeitsstelle be-werben halten das ebenso. Klar könnte man natürlich sagen, dass der Staat das stärker reglementieren muss (was er ja auch schon tut) und noch mehr Werbung verbieten soll. Ich bin aber überzeugt, dass nur die Stärkung der Verbraucherkompetenz - also Consumer Empowerment - zu einer wirklichen Lösung führt, denn letztlich tragen wir für uns selbst die Verantwortung und diese sollten wir auch nicht leichtfertig aus der Hand geben.
Klar kann man nun argumentieren, dass die Ampel ja die Verbraucherkompetenz nicht behindert, und das ist noch nicht mal gänzlich falsch. In die Verbraucherkompetenz einzahlen tut die Ampel jedoch sicher nicht, denn vor der Ampel sollte erstmal stehen, dass man den Menschen erklärt, wofür diese Werte eigentlich stehen, was bspw. Kohlenhydrate sind und wie sich Kalorien zusammensetzen, was der individuelle Tagesbedarf ist und wie sich dieser für jeden individuell berechnet. Dabei wird hoffentlich dem ein oder anderen auffallen, dass Sport und Bewegung sich sehr positiv auf die Tagesbedarfberechnung auswirkt, insofern sollte man im Alltag mal den Fahrstuhl stehen lassen und die Treppe nehmen. Wenn man das Beispiel nun etwas polemisch zu Ende denkt, könnte man nun argumentieren, dass nun auch alle Fahrstühle entsprechend gekennzeichnet werden müssen, eine Idee, die in Brüssel ja möglicherweise schon auf der Agenda stehen könnte. Und für Autos, für Computer und Fernseher, für Sofas selbstverständlich auch. Es gibt vieles, was sich noch kennzeichnen lässt...
Fazit: Könnte die Ampelkennzeichnung zu einer Verschlankung der Gesellschaft führen? Vielleicht, ich habe da aber meine Zweifel. Würde mehr Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln zu einer Verschlankung führen? Gut möglich, aber mit Sicherheit dazu, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Sagt die Ampel mehr aus als eine Big8-Kennzeichnung? Jein, zumindest hat die farbige Unterlegung eine gewisse Alarmfunktion. Die Big8-Kennzeichnung bietet jedoch im Prinzip schon alle Informationen, man muss diese nur lesen und verstehen. Kann die Ampelkennzeichnung dazu führen, dass sie die Konsumenten gesünder ernähren? Vielleicht, jedoch lässt sich gesunde Ernährung nicht auf Nährwertangaben reduzieren, denn die Inhaltsstoffe sind mindestens genauso wichtig, und die Frage ob Zucker oder diverse Austauschstoffe besser für die Gesundheit sind, ist noch nicht endgültig geklärt. Sagt die Ampel etwas zum Thema Nachhaltigkeit aus? Nein, das tut sie nicht, insofern werden noch weitere Informationen wie Siegel (Bio, MSC...) benötigt, CO2-Footprint wird sicher auch noch kommen. Die Ampel hat also sicher einige möglicherweise richtige Ansätze, springt aber gänzlich zu kurz. Die Lösung der Problematik geht nur über Verbraucherkompetenz, das Thema Ernährung und Gesundheit muss in die Köpfe, Kitas und Schulen, - auf die Produkte reicht definitiv nicht, egal ob Ampel oder nicht.
Wer sich in einem Gespräch mit Udo Pollmer auf fünf Fragen beschränken will, der hat es wirklich nicht leicht. Wo anfangen, wo aufhören, was fragen, worauf verzichten? Der Mann ist quasi ein eigenes Lebensmittel-Lexikon. Das macht es fast unmöglich sich zu entscheiden. Und so haben wir dann aufgegeben, sind schwach geworden und haben den Nikolausteller rausgeholt. Wir haben von allem ein bisschen gefragt und das hat er uns netterweise nicht nachgetragen, sondern uns an seinem Wissen, von dem wir hier leider nur einen winzig kleinen Bruchteil abbilden können, teilhaben lassen. Aber wir müssen wirklich sagen, das war nicht nur interessant, das hat auch einfach Spaß gemacht. Und wer weiß... vielleicht schaffen wir es auch irgendwann einmal, uns ein wenig stärker festzulegen und fragen dann noch mal und mit ein bisschen Glück antwortet er dann wieder. Doch fürs Erste jetzt erst mal unsere fünf Fragen an Udo Pollmer - quer aus dem 'Gemüsegarten'... Viel Spaß!
1. Herr Pollmer, Ihr Buch "Food Design – Panschen erlaubt" gibt es jetzt bereits in der dritten Auflage. Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen sich so lang-sam wieder mehr mit dem auseinandersetzen, was sie zu sich nehmen? Und hat sich auf der anderen Seite bei den angebotenen Lebensmittelsortimenten etwas verändert in den letzten Jahren?
Ja – die Panschereien haben zugenommen! Vor allem solche, die der "Gesundheit" dienen sollen. Wer kalorien-, fett- und sonstwie-arme Produkte will, der zwingt die Produzenten zum Panschen. Denen bleibt gar nichts anderes übrig, als den Gehalt an Wasser (Vorderformfleischschinken statt Schinken, Analog-„Käse“ statt richtigem Käse usw.) oder Luft (Speiseeis wird bekanntlich nach Volumen und nicht nach Gewicht verkauft) zu erhöhen. Nichts anderes gilt für Brötchen mit Omega-Y-Fettsäuren oder cholesterinarme Wurst. Wer unbedingt die Fette der Fische essen will, soll sich doch eine Fischsemmel kaufen! Demnächst kriegen wir vermutlich Lachs mit Weizenstroh...
Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne beim Essen Fette oder Kalorien sparen. Der Körper misst die Kalorien- und Fettaufnahme nach und gleicht Mängel zur Not durch Heißhungerattacken aus. Wer kalorienarme Lebensmittel will, kann gleichermaßen sauerstoffarme Luft oder hirnlose Ernährungsberatung fordern.
Die Hersteller haben sich den Forderungen der Medien gebeugt. Sie reduzieren den Energiegehalt ihrer Produkte durch allerlei legale Panschereien und können nun doppelt soviel Ware verkaufen.
2. Haben wir die Lebensmittel, die wir verdienen? Legen wir hier Deutschland Ihrer Meinung nach zu wenig Wert auf "gutes Essen"?
Jeder muss sich entscheiden ob er "gesundes" oder gutes Essen will. Überall da, wo die Gesundheitsmarotten den Markt bestimmen, bleibt die Qualität notgedrungen auf der Strecke.
3. Was halten Sie vom "Clean Label"? Kann ich mich als Verbraucher darauf verlassen, dass ein Produkt, das als "Frei von Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern, Farbstoffen" gekennzeichnet ist, auch tatsächlich "sauber" ist? Denn beispielsweise enthält ein Produkt, das frei von Geschmacksverstärkern ist, heute häufig Hefeextrakt. Ein Zusatz, der nach unserem Verständnis keine andere Funktion erfüllt als Glutamat.
Clean Label heißt das neue Zauberwort der Lebensmittelwirtschaft. Das schlechte Gewissen der Kunden soll durch eine "verbraucherfreundliche" Deklarationen beruhigt werden. "Verbraucherfreundlich" heißt aber nicht, dass die Interessen des Kunden zu Geltung kommen, sondern nur, dass die Zutatenliste redaktionell bereinigt wird. Also statt "Glutamat" kommt "Hefeextrakt" hinein, also Geschmacksverstärker in grün. Da glutamathaltiger Hefeextrakt rein lebensmittelrechtlich kein Zusatzstoff ist, kann diese Mogelpackung mit dem Hinweis "ohne den Zusatzstoff Glutamat" beworben werden. Prinzip: außen hui innen pfui. Inzwischen ist es ja schon fast so: je mehr E-Nummern auf der Packung stehen, desto ehrlicher der Produzent...
4. Ab Mitte Juli müssen Produkte, die Azo-Farbstoffe enthalten, mit dem Hinweis "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" gekennzeichnet werden. Ist das der richtige Schritt in Richtung 'besserer Produkte'?
Es gibt ein paar ältere Tierversuche, bei denen sich mit ausgewählten Farbstoffen Hyperaktivität bei Labornagern auslösen ließ. Damals schenkte man den Befunden aber nur wenig Aufmerksamkeit. Inzwischen konnten Untersuchungen an Kindern diesen Effekt zwar nicht endgültig widerlegen aber auch nicht bestätigen. Insofern ist die Datenlage heute sogar entspannter als noch vor zwei Jahrzehnten. Dieser Fall zeigt die Unaufrichtigkeit der Verbraucherpolitik: Wenn die Farbstoffe denn tatsächlich die „Aufmerksamkeit bei Kindern“ beeinträchtigen können, gehörte das Zeug längst verboten aber nicht mit einem "Warnhinweis" versehen. Der Warnhinweis trägt nur dazu bei, die Kunden zu destabilisieren. Er informiert nicht, sondern raubt der Bevölkerung das Vertrauen in unsere tägliche Nahrung. Eine Schweinerei!
5. Was macht für Sie persönlich ein gutes Produkt aus?
Reelle Zutaten und eine sorgfältige Verarbeitung. Ein gutes Lebensmittel ist bekömmlich, es macht satt und zufrieden.
Mehr über Udo Pollmer: Udo Pollmer (*1954, Himmelpforten bei Hamburg) hat Lebensmittelchemie an der Universität München studiert und ist seit 1981 als selbstständiger Wissenschaftsjournalist und Unternehmensberater tätig. Er war Lehrbeauftragter für Haushalts- und Ernährungswissenschaften an der FH Fulda und der Universität Oldenburg. Seit 1995 ist er wissenschaftlicher Leiter des in München ansässigen Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E. e. V.). Seit vielen Jahren hat er beim Deutschlandradio Kultur seine eigene Kolumne "Mahlzeit".
Darüber hinaus hat er eine Vielzahl an Büchern rund um Ernährung verfasst. Darunter:
Food-Design: Panschen erlaubt: Wie unsere Nahrung ihre Unschuld verliert
Wer gesund isst, stirbt früher - Tatsachen und Trugschlüsse über unser Essen
Wer gesund lebt, ist selber schuld: Was uns Gesundheitsapostel verschweigen
Heidi Klum trinkts, Sienna Miller und Madonna sowieso – Vita Coco ist in den USA das neue it-Getränk. Wer etwas auf sich hält, lässt sich nicht mit einer schnöden Wasserflasche in der Hand fotografieren, sondern mit einem bunten Tetrapak, der ein wenig an eine moderne Sunkist-Variante erinnert. Und vermutlich wird über kaum ein anderes Getränk momentan mehr geschrieben, zum Beispiel in der Huffington Post, in der Gala, ja sogar in der FAZ und jetzt bei uns. Doch um was geht´s eigentlich? Ist dieses „Cocos-Zeug“ nicht eigentlich eher eine der Hauptzutaten leckerer Currys? Vor einer Woche hätten wir vermutlich noch ja gesagt, jetzt wissen wir mehr. Denn Vita Coco gibt’s seit einiger Zeit jetzt auch in Deutschland und wir durften probieren, doch first things first wie man „drüben“ sagt.
Vita Coco besteht zu 100% aus dem Kokoswasser der noch grünen Kokosnuss, nicht zu verwechseln mit der cremigen Kokosmilch, die bspw. für obengenannte Currys benötigt wird. Während Kokoswasser beispielsweise in Brasilien schon fast ein Nationalgetränk ist, ist es bei uns nahezu ungekannt. Den Amerikanern ging es ähnlich, bis irgendwann jemand auf die Idee kam, es zu importieren, in ansprechende Tetrapaks abzufüllen und mit dem entsprechenden Marketing zu dem Trendgetränk des neuen Jahrtausends aufzubauen.
das-ist-drin:
Die Inhaltsstoffe des 100%tigen Kokoswassers haben es in sich, es enthält kaum Fett (dementsprechend auch kein Cholesterin) und auch nicht viele Kalorien. Dafür ist es reich an Elektrolyten und enthält auch noch reichlich Kalium, Calcium, Magnesium und Vitamin C. Eine Mischung, die grade im Sommer bei hohen Temperaturen hervorragend geeignet ist, den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen.
Ganz subjektiv betrachtet...
Was unserer Meinung nach jedoch gewöhnungsbedürftig ist, ist der Geschmack, der ist, wie es mit gesunden Sachen häufig ist, ein wenig gewöhnungsbedürftig, was nicht zuletzt auch am etwas eigenwilligen „Mundgefühl“ liegt, welches wiederum schlichtweg damit zu tun hat, dass das Getränk eben reich an Electrolyten ist.
Eckdaten:
Vita Coco gibt es bei uns in drei Geschmacksrichtungen: pur, mit Ananas-/Kokospüree oder alternativ mit Mango / Pfirsich Püree. Die beiden Fruchtvarianten haben statt 19 kcal / 100 ml 25 kcal je 100 ml und 1 g Zucker mehr als die Variante für Puristen. Verkauft wird Vita Coco ausschließlich im 330 ml Tetrapak für stolze 1,89 € / Packung.
Foto: Drinks & More
Ganz ehrlich? Mitunter muss ich einfach lachen. Seit dem letzten „Dioxin-Skandal“ ist noch nicht mal ein Jahr vergangen. Und offen gesagt scheint sich seitdem nur wenig geändert zu haben. Und das führt erneut zur Verunsicherung der Verbraucher. „Was kann man noch essen?“ „Ist nichts mehr sicher?“ „Worauf muss ich achten?“ – das alles sind Fragen, die wir hier dieser Tage recht häufig hören. Und die Antwort darauf fällt nicht leicht.
Was wir mindestens ebenso oft hören, ist die Forderung nach mehr Kontrolle. Schärferen Gesetzen. Mehr Verboten. Und das hören wir jetzt genauso lange, wie es braucht, bis der Skandal in den Medien einmal durch den Kakao und wieder zurück gezogen wurde und dann ist wieder Ruhe. Bis zum nächsten Skandal.
Denn mal ganz ehrlich, was lässt sich erreichen mit noch mehr Verboten? Noch schärferen Gesetzen? Noch mehr Kontrollen? Und wer trägt schlussendlich die Kosten für die Ausarbeitung und den Erlass der Gesetze, für die Kontrolle von deren Einhaltung? Vermutlich doch wohl der Verbraucher. Und dann klagen wir alle gemeinsam, dass alles immer teurer wird.
Jetzt mal Hand auf’s Herz, meinen Sie nicht, dass wir es auch alle ein wenig selbst in der Hand haben, was uns auf den Tisch kommt? Sollten wir beim Einkaufen nicht langsam mal anfangen, genauer hinzuschauen? Prüfen, was drin ist? Überlegen, ob das wirklich alles drin sein muss?
Machen Sie sich folgendes bewusst, ob es uns gefällt oder nicht, in einer freien Marktwirtschaft muss ein Unternehmen, das Produkte oder Dienstleistungen produziert, konkurrenzfähig sein und Gewinne erwirtschaften. Dabei ist es erst mal egal, ob es das beste Produkt auf dem Markt produziert. Wird es nicht verkauft, ist das Unternehmen und natürlich auch das Produkt schnell Geschichte.
Und jetzt überlegen Sie beispielsweise mal, was heute ein Joghurt durchschnittlich kostet: 0,29-0,39 €? Davon muss der Landwirt bezahlt werden, der die Milch und theoretisch auch das „Obst“ produziert (und dafür Tiere hält, Mitarbeiter bezahlt, Gebäude, Gerät und Land unterhalten muss). Und davon müssen eventuelle Zwischenhändler, Spediteure und schlussendlich natürlich auch der Hersteller bezahlt werden. Und alle Menschen, die bei dem einen oder anderen arbeiten. Und natürlich geht es hier nicht um den Selbstkostenpreis. Jedes Glied in der Kette muss von dem, was es tut, leben können. Allein dafür ist es schon notwendig, Gewinn zu machen. Fällt Ihnen etwas auf? Bei dem Preis für einen Becher Joghurt, ist es außerhalb der Massenproduktion kaum mehr möglich, noch wirtschaftlich zu produzieren und hochwertige Ausgangsmaterialien einzusetzen.
Also wird (natürlich nicht immer und von allen) substituiert und gepanscht soweit es die Gesetze und Regelungen eben zulassen. Dann werden Füllstoffe, Emulgatoren, Verdickungsmittel, Aromen und teilweise sicherlich auch minderwertige Ausgangsmaterialien eingesetzt. Je mehr Abstriche bei der Qualität gemacht werden, desto häufiger gibt es Skandale – ob es jetzt um Dioxin oder um Analogkäse geht. Wem wollen Sie das vorwerfen? Wirklich dem Hersteller oder dem Gesetzgeber? Warum? Wir möchten doch auch nicht für ein paar Cent in der Stunde arbeiten. Auch wir als Konsumenten müssen uns und vielleicht auch eine Familie ernähren, kleiden, fortbewegen und wollen gelegentlich mal einen Urlaub machen und uns mal etwas Schönes leisten. Wer nicht?
Wir alle müssen, wenn es um unser täglich Brot geht, für uns selbst eine Frage beantworten: Was bin ich mir wert? Denn wie heißt es doch so schön: „Du bist, was Du isst.“ Und ganz offensichtlich ist der Wert, den wir uns selbst beimessen, in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Gaben die Menschen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts noch rund 44% ihres Einkommens für Lebensmittel aus, waren es 2009 nur noch 11%!. 2004 waren es immerhin noch 16%.
Die Lebensmittel, die wir in den Supermärkten finden und offensichtlich auch kaufen, denn sonst stünden sie nicht da, sind nicht ausschließlich Ergebnis der immer wieder angeprangerten Profitgier der Konzerne. Sie sind schlichtweg auch Ergebnis unseres veränderten Lebenswandels. Alles muss immer schneller gehen. Das Essen ebenso wie die Zubereitung des selbigen. Die Produkte werden diesen Bedürfnissen angepasst. Sie werden haltbarer (Konservierungsstoffe), leichter zuzubereiten (starker Vorverarbeitung unter Zuhilfename zahlreicher Zusatzstoffe) und sehen dazu noch appetitlich aus und duften auch so (Aromen und Geschmacksverstärker).
Meinen Sie nicht, dass es an der Zeit ist, dass wir uns wieder ein wenig mehr Zeit für uns selbst nehmen? Für gutes Essen? Für unseren Körper? Für eine bessere Ernährung? Und wäre es nicht schon ein Anfang, statt 5 Becher Joghurt für 0,29 € zu kaufen (von denen in der Regel auch noch 2 weggeworfen werden) einfach 3 für 0,59 € zu kaufen? Bewusster auf das zu achten, was uns auf den Tisch kommt? Meistens fangen wir damit erst an, wenn wir uns entscheiden auf Fleisch zu verzichten oder wenn wir irgendetwas nicht mehr vertragen – doch noch mal Hand auf’s Herz: Sollten wir uns nicht mehr wert sein?
Ich glaube schon und ich bin mir auch sicher, dass wir, würden wir alle ein wenig bewusster auf das achten, was wir in den Einkaufskorb legen, auch deutlichen Einfluss auf die Qualität der produzierten Lebensmittel nehmen können. Wetten, dass wir dann zukünftig seltener über Dioxin im Ei, Mogelschinken, Analogkäse und Co. reden würden?
Probieren Sie es einfach mal aus!
Und jetzt noch mal zurück zum aktuellen Dioxin-Skandal. Nachfolgend finden Sie einige gute und informative Seiten, die sich umfassend mit dem Thema auseinander setzen.
Tagesschau: Was ist Dioxin und was macht es in der Nahrungskette?
Zeit.de: Alle Beiträge der Zeit zum Thema Dioxin in unseren Lebensmitteln
Tagesschau: Dioxin-Skandal ist größer als angenommen
AID: Dioxin im Futtermittel: Betrachtung eines Skandals
heute.de: Bundesinstitut: Dioxin-Eier "kein Grund zur Sorge"
Und wir haben für Sie eine Übersicht aller bei uns eingetragenen Produkte zusammengestellt, die Ei enthalten.
Bild: Wikipedia / Matthias M.
Alle Jahre wieder regen wir uns über die Milchschnitte auf, über Activia oder Actimel, über Fruchttiger und Nimm 2 oder irgendein anderes Produkt, das den Goldenen Windbeutel bekommt. Alle Jahre wieder wundere ich mich über die Aufregung. Und darüber, dass es immer und immer wieder funktioniert. Jetzt mal im Ernst, als halbwegs mündiger Verbraucher ist mir doch klar, dass Fruchtiger kein gesundes Getränk ist – erst recht nicht für Kinder. Und dass Nimm 2 zwar lecker, aber sicherlich keine supergesunde Vitaminbombe ist. Dass Joghurt nicht die Welt verändert, nur weil sich irgendwo „activ“ im Namen versteckt und dass Milchschnitte, und sei sie noch so heiß vom „IS Institut für Sporternährung“ empfohlen, keine gesunde Zwischenmahlzeit ist.
Das weiß man doch! Oder? Aber woher kommt dann diese Aufregung? Und vor allem, woher kommt dieses kollektive: „Hah, da hat Ferrero (Danone, Storck...) jetzt aber mal richtig einen auf die Nuss bekommen“? Mal im Ernst, kein Produkt, dass sich bereits seit Jahrzehnten in unseren Supermarktregalen befindet, liegt da, weil der Hersteller uns nötigen muss, das zu kaufen. Die liegen da, weil sie gekauft werden und das nicht zu knapp! Auf so einer Milchschnitte steht beispielsweise auch alles drauf, was wir wissen müssen.
Sie enthält: Vollmilch, pflanzliche Öle, Zucker, Weizenmehl, Magermilchpulver, Butterreinfett, Volleipulver, fettarmen Kakao, Weizenkleie, Backtriebmittel: Dinatriumdiphosphat, Natriumhydrogencarbonat, Ammoniumcarbonat; Emulgator Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Salz, natürliche Aromen, Vanillin.
Auf 100g kommen 34g Kohlehydrate, wovon 29,4 g (fast 30%) Zucker sind. Weitere 27,9 g (wieder fast 30%) sind Fett. Sie schlägt mit grade mal 1,2 g Ballaststoffen zu Buche. Und enthält darüber hinaus 8,2 g Eiweiß. Auf eine Milchschnitte kommen also rund 60 % Fett und Zucker, knapp 10% Eiweiß und etwa 1% Ballaststoffe.
Ich muss nicht Ökotrophologie studieren um zu wissen, dass das keine gesunde Sportlernahrung und erst recht keine gesunde Zwischenmahlzeit ist. Ich muss nur hinschauen! Mich informieren, ein wenig Eigenverantwortung zeigen! Die Milchschnitte ist im Prinzip nichts anderes als ein süßer Riegel für Zwischendurch. Nur wenig ausgewogener (wenn überhaupt) als ein Snickers (75% Fett und Zucker) oder ein Corny Schoko (50% Fett und Zucker).
Woher also kommt die Aufregung? Fühlen wir uns wirklich betrogen? Von der Werbung? Wenn dem so ist, dann muss man sich doch fragen, ob heute überhaupt noch klar ist, was Werbung eigentlich ist und welchem Zweck sie dient. Als Konsument habe ich die Wahl, unbesehen alles zu glauben was man mir vorsetzt oder mir klarzumachen, dass ein Unternehmen mit einem Produkt Geld verdienen will. Und ebenso wenig wie ich ein Auto nur auf eine Beschreibung hin kaufen würde, in dem Vertrauen darauf, dass der Verkäufer mich schon nicht über den Tisch ziehen wird, muss ich doch auch bei Produkten, die ich meinem wichtigsten Gut als Treibstoff gebe – meinem Körper, meiner Gesundheit – ein stückweit selbst darauf achten, was ich mir in meinen Einkaufswagen, Kühlschrank, Magen und im Zweifel auf meine Hüften oder Herzkranzgefäße lade. Alles andere wäre doch wirklich mehr als blauäugig.
Ich lese immer häufiger, „der Staat muss dies verbieten“ „der Staat muss das regeln“ „wir brauchen mehr Gesetze, Verbote, Verordnungen“. Jetzt mal im Ernst, da blickt doch heute schon keiner mehr durch? Und wer soll das alles bezahlen und mit welchem Geld? Seid Ihre bereit dafür höhere Steuern zu zahlen? Oder ist es vielleicht doch leichter einfach ein wenig kritischer zu konsumieren? Nehmt Euch doch bitte zum Einkaufen mal wieder ein wenig mehr Zeit. Schaut drauf (oder bei uns nach), was drin ist. Macht Euch bewusst, dass Qualität einen gewissen Preis hat. Und um Gottes willen, wenn Ihr Hunger auf eine Milchschnitte habt, dann esst sie einfach. Aber gesteht Euch dabei auch ein, dass Ihr Hunger auf etwas Süßes hattet und nicht auf eine gesunde Sportlermahlzeit für Zwischendurch. Denn gegen den Genuss ist nichts zu sagen, wenn man sich dabei nicht in die eigene Tasche lügt um sich hinterher über andere aufzuregen. Frei nachdem Motto: „Das konnte ich ja nicht wissen, das hat mir keiner gesagt.“
Auszeichnungen wie der Goldene Windbeutel könnten uns dabei helfen, Produkte zu identifizieren, bei denen Unternehmen in der Werbung besonders kreativ zu Werke gehen. Sie könnten auch helfen unsere Aufmerksamkeit zu schärfen. Sie sollten aber nicht dazu führen, dass wir erwarten, dass immer ein Dritter alles für uns regelt. Darüber hinaus wäre es meines Erachtens wünschenswert, wenn nicht jedes Jahr die üblichen Verdächtigen am Pranger landen würden. Nur ein Beispiel (und der eigentliche Auslöser für diesen Beitrag), der Alnatura "MÜSLI"-Riegel Schoko, der von Alnatura als "schneller Energiespender für Zwischendurch" angepriesen wird, der aber in seiner Zusammensetzung eigentlich voll und ganz einem stinknormalen Snickers entspricht. Lecker war er, ohne Frage. Aber gekauft hab ich ihn mir, weil ich was Süßes wollte. Nicht weil ich einen Energiespender gesucht habe (da hätte ich vermutlich eher das Snickers genommen). Doch solche Produkte landen in der Regel nicht auf der Abschussliste von abgespeist und dem Goldenen Windbeutel, aus dem einfachen Grund, dass die Welle die sich damit machen lässt, nicht groß genug wird.
Und das ist wirklich mal ein Grund sich aufzuregen.